Politische Kommunikation im Web 2.0

Cover der Studie Politische Kommunikation im Web 2.0 von Weiße Q Consulting, Iserlohn

 

Die bisher umfangreichste Analyse der Internetpräsenzen aller deutschen Abgeordneten offenbart erheblichen Nachholbedarf für deutsche Politiker. Insbesondere gilt dies im Hinblick auf die Nutzung interaktiver und multimedialer Elemente.

Die Studie „Politische Kommunikation im Web 2.0 – Eine Untersuchung der Internetpräsenzen aller Abgeordneten aus Bund und Ländern“ liefert aufschlussreiche Erkenntnisse über die Unterschiede der Abgeordneten aus den einzelnen Bundesländern, Parteien und Altersgruppen. Hierfür wurden die Gesamtheit der mehr als 2000 Webseiten deutscher Abgeordneter einer Tiefenanalyse unterzogen.

Die Ergebnisse zeigen unmissverständlich: Immer noch ist ein Viertel aller deutschen Politiker auf Bundes- und Länderebene nicht mit einer eigenen Webseite im Internet auffindbar. Trauriges Schlusslicht: Im Saarland sind rund 80 Prozent der Landtagsabgeordneten nicht im Netz vertreten. In Nordrhein-Westfalen hingegen
verfügen immerhin 95 Prozent über eigene
Internetpräsenz.

Weitere Erkenntnise

Obwohl die Kommunikation im sogenannten Web 2.0 (also dem Mitmachweb, in dem Nutzer aktiv Inhalte produzieren und veröffentlichen) zunehmend wichtiger wird, besteht seitens deutscher Abgeordneter hinsichtlich Kreativität, Innovation und Angebotsvielfalt im Internet noch erheblicher Nachholbedarf. Und dies, obwohl bekannt ist, dass vor allem die junge Zielgruppe durch eine geschickte Nutzung dieses Kommunikationskanales sehr gut erreichbar ist.

Auf den Webseiten deutscher Abgeordneter werden Web 2.0-Angebote, die über das reine Vorhalten von Informationen in Textform hinausgehen, jedoch weitestgehend vernachlässigt. Trotz der viel diskutierten Vorteile von Blogs, also im Internet geführten Tagebüchern, lassen nur rund 2,3 Prozent der Politiker die Nutzer per Blog an ihren Gedanken und Projekten teilhaben. Auch der aktuelle Web 2.0-Trend „Twitter“, also das Verfassen und Abonnieren von webbasierten Kurznachrichten, scheint für fast alle Abgeordneten noch unbetretenes Neuland zu sein.

Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich, dass akuter Handlungsbedarf bezüglich der zeitgemäßen und zielgerichteten Nutzung des Internets besteht. Multimediale Formate, wie zum Beispiel Bildergalerien, Audio- und Videodateien (Podcasts bzw. Vodcasts) oder Chats werden von einer überwältigenden Mehrheit der Politiker nicht zur Bürgerinformation und –kommunikation genutzt. Insbesondere vor dem Hintergrund der diesjährigen Bundestagswahl und den damit verbundenen Wahlkampagnen bleibt abzuwarten, ob, wann und von wem diese Potentiale erkannt und ausgeschöpft werden.

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